Pünktlich um 17.00 Uhr hatten sich viele Unterkochener, Bärenfanger und Freunde aus den benachbarten Zünften am Rathausplatz versammelt.

Die Kanoniere der NZU hatten zusammen mit den Schützen aus Aalen das Feuer eröffnet und der Fanfarenzug hatte bereits Aufstellung bezogen, als Zunftmeister Bastian Schenk die beiden Hauptangeklagten, Rathauschefin Heidi Matzik und Bezirksamtleiter Hubert Mahringer, vorführen ließ.

Danach ging das Wort an Richter Hartmut Heldenmaier, den Schrecklichen, der gnadenlos alle Missetaten aufzählte, die im letzten Jahr im Rathaus verbrochen worden waren.

Der Erstgenannte, d‘r Rentschler ond Sklavatreiber, ihr habt’s gehört,
wurde bereits in Ola verhaftet und verhört.
Wieder wurd‘ er am Gombadonnerschtag von d’r NZU on d’r AFZ vorgeführt und angeklagt
Noch zähem Kampf in Olas StadtWurde er schließlich mit Schimpf und Schand hinausgejagt
Mir den den eh net arg vermissa, wer net auf d‘Prunksitzung kommt, der hot’s bei ons verschissa
Doch loss’r mr jetzt Ola Ola sei,ond widmet ons dene zwoi vom hiesiga Rothausverei.
Dia send koin Deit besser als d’r Olenar OB
Beamter bleibt Beamter, hendarom verschlaga nach vorne deans schee
Seit gefühlte hondert Johr hense nix g’lernt, nix begriffa
Deshalb hemmer se heit halt wieder ergriffa.
Heuer isch es d’s dritte Johr, wia d‘Zeit vergeht
dass d‘Matziks Heidi vorrem hochlöblicha Richter steht
onser Hoffnong, dass d’Fraua g‘scheider send hot sich zerschlaga,
dia Hütt, dia brennt aber was beim Karle emmer en d‘Effentlichkeit drongaond
des elle Spatza von der Dächer hend g’songa
des wird jetzt ondern Tisch nakehrt
ond der Mantel des Schweigens driberg’legt
Des ka se sehr guat, onser Ortsvorsteherin em Amt
Em Ondergrond werkla bei – wie i g‘hofft hab – klarem Verstand
Em Rothaus wird g’mauschelt ond geheim beschlossa
Aber nix rauslossa, nix saga ons Birger von Kocha
Die Beschlüsse, dia macht se en d‘r Zeitung firm
On du denksch du bisch em falscha Film
Des Thema Griaßgott Radweg isch ja fascht scho vergessa
Doch d’moischte Leit send deswega arg a‘gfressa
Au i hann domols enra Pedition d’rgega g‘stemmt
Aber ma siehts, ma wird von d’r Obrigkeit halt iberstemmt
D’Waldheiser Stoig naufradla loßt se ihr Ortschaftsratsschar
Dass dia gar net naufkommat war doch sonnaklar
Aber no konnt se per Zeidong informiera
D‘r Radweg aufs Hertsfeld kann nur ibers Griaßgottwegle fiehra
Ihr Ziel isch, Kocha muaß wachsa auf Deifel komm raus
koi Schandtat loßt se fir des oine Ziel aus.
Mir fühlad ons en Kocha doch wia d‘ Gallier, tapfer ond entschlossa
Ola send d’Römer, gega dia wird von ons geschossa
En Kocha ischs hoimelig ond arg sche
Ond jeda Verenderung duad ons so weh
Vorna am Schitza dia Kreizong, geliebt ond verehrt
Soll amma Kreisverkehr weicha, des isch unerhehrt
Mir sen stolz auf onser Ampel, dia muss bleiba
Domit demer ons von Oberkocha onderscheida
Dia henn koi Ampel, dofür Kreisel zuhauf
Mir kommat au ohne des Ronde aufs Hertsfeld nauf.
Em Hungerbühl, so henses irgendwann beschlossa
Wird a neis Baugebiet erschlossa.
o.k., no wohnat en Kocha 100 Leit mehr, hemmer g‘hert
Doch was hennar dofir fiar heile Welt zerstehrt
Die liabliche Gärta, dene Gardabesitzer ihr ganzer Stolz
Henner platt g’macht, ihr sagat haja, was solls
Mir Kochener hen diese Gärtla so g’liebt
Vom deam Ablick hemmer gar net gnuag gekriegt
Viele send extra deswega zom Sportplatz nauszoga
Ond hen des Gardahaus-Ambiende en sich aufgesogen
Wenner scho baggert, gräbt ond planiert
Hender d’r Sporthall, des riesa Gebiet
No denkad doch oimol an eiren liabschda Narraverei
Ihr sitzad doch au en onser Prunksitzung mit nei
Mir henn an Haufa Gäscht do ket, iber 500, des war Rekord
Aber 40 Parkplätz hen g’fehlt an dem Samschtag vor Ort
Bloß weil ihrs net auf d’Reihe brengt
ond des Thema Zeitplanung eire Logik sprengt
I als Oberschder hätt g’sagt mir fangat nochem Aschermittwoch zom baua a
damit m’r vor d’r Schporthalle no guat parka ka.
Onderhalb vom Knöggling gibt’s an neie Bau
fir Asylanda, Studenda oder Seniora, des woiß koi Sau
Auf dem Areal, des werrat no viel wissa
stand onser Vereinsheim, nocham Zammabruch wurd’s abgerissa
Mir hen bettelt, gjammert ond g’hofft, jahrein, jahraus
Gebt de Kochener Narra ein neies Zuhaus.
En d’r Bauhof henner ons verwiesa
En d’r Hoffnung das d’r Kocher net tritt iber d’Uferwisa
Mir wardad emmer no, geduldig ond brav
Doch beziglich neies Narraheim send ihr em tiefschda Schlaf
I ben vielleicht no 30 Johr auf derra Welt
I ben g’schpannt, obs bis dona von eich was gibt, des ons elle g‘fällt
Zom Schluß sag I eich jetzt, wie mans duad schaffa
Onderkocha endressant ond attraktiv zu macha
D’Kochner Seniora hen mol Volkacher Mainschleife erblickt
wia des Wasser em Kreis rom lief, do sen se g‘flippt
Mir hend d’r Kocher ond – na ? – was fällt oim do ei
Richtig – bauat doch em Kocher a Schleife nei
Zig Bagger ond Krana sieht ma jetzt en Kocha steha
Mit denne däd dia Kocherschloif erbauung ratz fatz geha
Vor de Elefandaärsch, do ka ma auf Benkla sitza – aber bloß bei Hitz
Em Wender ischs kalt do g’friersch an d’r Sitz
Jedes Auto hot a Sitzhoizung, des wird heit verlangt,
Wia wär‘s wenn behoizt wär dort jede Bank ?
Als Bäramekka des Oschtalbkreises senn mir bekannt
Ond kommt amol a Turi end City nei’grannt
No sott vorem Rothauseigang auf boide Seida
2 Meter hohe Steiffbära de Besucher a herzlich Willkomma bereida
D’r Rote Karle hot solche Bära ond er stellt se eich bereit
Ihr missat bloß verhandla, zu welche Konditiona er euch die Bära leiht
Es sollte zukünftig koi Weihnachtsbeleichtung mehr geba
Sondern a Bärabeleichtung em Baum droba kleba
Der Name Weihnachtsbaum isch passe,
ab sofort Narrabaum, des klingt richtig schee
Kochas Gastronoma werrat vom Rothaus per Dekret informiert
Dass jede Speise mit dem Zusatz Bärastark“ wird serviert
Solltat ihr net wissa, wia a Dekret auszuseha hat
Fernseher eischalda ond gugga wia d’r Trump des macht
Jetzt mußt d’r oberschte Richter ond Narr eich au no zoiga
Wia ma enra G’meind richtig plant ond wia ma se duad loida
Em letschda Jahrtausend, des hann i scho mol g‘sagt
Henn mir gemeinsam viel Zeit mitanander verbracht
Denn Frau Ortsvorsteherin ond i send domols ganz brav ond unbefanga
En Ola sogar end gleicha Klass neiganga.
Sia war so brav ond liab, des kann i eich saga
Deshalb dua i mi jetzt au ernschthaft fraga
I kenn se net wieder, was isch denn passiert
Dann isch mir a Gedankablitz em Kopf explodiert
Des isch d’r Einfluß vom Härtsfeld Hubbe, dem Rothauspascha
A Beamter durch ond durch ond mit elle Wasser g’wascha
Hubbes Beamdavirus, des muss ma ganz klar saga
Hot sich leider auf onsre Ortsvorsteherin übertraga.
Des ka aber koi Entschuldigong sei,
schliaßlich g’heret boide zu dem Rothausverei.
Dia boide henn ons so enttäuscht ond henn nix blickt
Deshalb wird’s Zeit, dass m’r boide en d’r Kerker naschickt
Dies sind die schweren Verfehlungen der hier Angeklagten. Das hohe Narrengericht gibt nun den Angeklagten die Möglichkeit, sich zu verteidigen – unter uns, des nutzt doch nix – und wird dann das Urteil verkünden.

Charmant und gekonnt gedichtet, verteidigte “d´Matziks Heidi” sich und ihre treuen Mitarbeiter. Aber es half nichts – Hartmut der Schreckliche ließ sich nicht erweichen und brummte ihr und “Härtsfeld Hubbe” eine saftige Strafe auf.

Die Angeklagten, d’Matziks Heidi und der Härtsfeld Hubbe werden zu folgender Strafe verdonnert:
Dean Vorschlag mit dene zwoi Bära, des leßt sich no steigra
An jedem Wochenende dean mir de Leit no a greßra Freud bereida
A lebender Bär sott dann dia Leit empfange
Mir hen no a paar Bärakostüm em Bauhof hanga
Dia leiat mir eich gern oimol wöchentlich aus
No schickater eiern Hubbe zom Ortseingang naus
Sei kräftiga Stemm wird ma en Kocha vernehme
Bärafanger, Bärafanger hoi, hoi, hoi, wirder zom Beschda geba
Dozua onser Standarde en oiner hand, des kriagt er doch na
Schließlich isch dr Härtsfeld Hubbe a gräftiger Ma
Ihr werrat seha des dauert koi 4 Wocha
No wird iber Kocha weltweit geschprocha
Da onser Orstsvorsteherin isch net so stabil wia d’r Hubbe gebaut
Wird se mit ner andra Aufgab betraut
Samstags und Sonntags morgens wird se starta
Ond am Wanderparkplatz auf dia Wandrer warta
No schnallt se sich a Fehnle auf d’r Buggel nauf
Do isch d’Kirch ond d’s Vidadukt von Kocha drauf
Aufem Weg bis zom Viadukt got se mit folgendem Lied zu Werke
Heidi, Heidi, meine Welt sind die Berge
Ab Viadukt bis zom Fledermais-Tunnell wird se rufa,
ond des isch net nei
Bärafanger, Bäranfanger, hoi, hoi, hoi
So isch des Urteil heit ond hier gesprochaVom Hartmut, dem Schrecklichen, oberster Richter en Onderkocha.

Als das Urteil gesprochen war, lud Zunftmeister Bastian Schenk alle Anwesenden zur Feier ins “Kochemer Roathaus” ein, das nun bis Aschermittwoch in der Hand der Narren war.

Mit Bier, Sekt, Brezeln und Wurst wurde anschließend zünftig und lange im Rathaus gefeiert. Ein Hoch auf die Freundschaft mit Aalen, die schon seit einigen Jahren intensiv gepflegt wird. Hansi Gässler überreichte Orden der Aalener Fastnachtszunft an Rathauschefin Heidi Matzik und Bezirksamsleiter Hubert Mahringer.

Bärafanger, Bärafanger, hoi, hoi, hoi, Meck meck ahoi, Narri – narro .

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